Manchmal glaube ich, dass kein anderes Völkchen der Erde von solch verbissenen Perfektionismus getrieben wird, wie das deutsche. Einerseits. Immer muss alles so sein, wie es am besten ist. Oder am besten scheint? Dass die Beurteilung, ob etwas gut oder schlecht ist, sehr vom Standpunkt, besser: Standort des Betrachters abhängt, wird gelegentlich, also immer, vergessen, wenn sich Experten ihrer Meinung entledigen. Schließlich ist das Stickoxidproblem insofern hausgemacht, als dass diese Schadstoffe ein Resultat der Rußpartikelfilterausrüstung beim Dieselmotor sind. Trieb man also dazumal den Teufel mit dem Beelzebub aus? Es scheint so.

    Dass Fahrverbote für Dieselautos, und sei es auch nur in einzelnen Straßenzügen von einzelnen Städten, ganz furchtbar überbewertet werden, wundert nicht, hat man sich den ersten Satz dieser Kolumne gemerkt. Wenn ich schon ein Auto habe, will ich damit auch überall hin fahren können. Egal, ob ich es wirklich wollen werde. Also wird vom mobilitätsabhängigen ebenso wie vom mobilitätssüchtigen Bürger mangels Alternative wieder der Benziner bevorzugt. Mit allen Konsequenzen vor allem für die, die Erderwärmung an deren Existenz oder gar das Leben geht. Nein, CO2 ist kein Klimakiller. Killer, das klingt nach kurzem Prozess: plopp – und fertig. Oder krachbum – aus und vorbei. CO2 killt nicht, CO2 lässt sich Zeit. Nicht allzu viel, zugegeben. CO2 meuchelt das Kima.

    Hier ein bisschen wärmer, da etwas mehr Unwetter, dort eine kleine trockene Dürre, und wieder woanders dafür so richtig viel Regen. Den Rest erledigt die Zeit. Womit ich endlich beim eigentlichen Thema angekommen bin. Die Zeit und deren allhalbjährliche Umstellung. Die Meinung des Volks dazu: Den meisten geht’s furchtbar auf die Ketten. Die Meinungen der Experten dazu:Dder eine sagt so, der andre sagt so. Wobei die Expertenmeinungen das gesamte Spektrum an Möglichkeiten bedienen. Von der Befürwortung der ewigen Sommerzeit über die Beibehaltung der halbjährlichen Zeitumstellungstortur bis hin zur Erkenntnis, dass die „Winterzeit“ die einzig wahre sei. WINTERZEIT? Hallo? Diese sogenannte Winterzeit ist die ganz normale, schon seit ewigen Zeiten gültige Mitteleuropäische Zeit. Mit der wir, unsere Eltern und Großeltern groß geworden sind.

    „Brandenburg – es kann so einfach sein!“, möchte man ausrufen. Schaffen wir die Zeit doch einfach ab! Niemand würde mehr verschlafen, es gäbe keine Zugverspätungen, Teenies müssten nicht mehr hören müssen: „Aber um 10 bist du allerspätestens wieder zu Hause!“ Oder behandeln wir die Zeitvorgaben einfach nur als Empfehlungen: Die Schule begänne dann so gegen 8 Uhr. Zu den lehrenden Seiteneinsteigern kämen dann die lernenden Späteinsteiger. Passt doch.

    Die Bahn macht es doch vor. Uhrzeiten sind vielfach nur noch unverbindliche Zeitempfehlungen.

    Als es noch ausschließlich die MEZ gab, saßen bei der Eisenbahn schon die Zeitexperten. Deshalb gab es den Sommer- und den Winterfahrplan. Das hätte ich mir von den Fernsehsendern gewünscht: Was soll ich mich sommers am helllichten Tag vor die Glotze setzen, wenn draußen noch der schönste Sonnenschein zum Baden lockt!

    Aber Sommer- oder Winterfahrplan gab es nie beim Fernsehen. Dafür behielt die Bahn ihre Fahrplanänderungen zweimal im Jahr bei, auch wenn die Einführung der MESZ das eigentlich theoretisch überflüssig gemacht hatte. Aber so ist das, die Sache mit den liebgewordenen Gewohnheiten.

    Ich kenne Leute, die stellen ihre Uhr nicht auf „Sommerzeit“ um. Bei ihnen wird das ganze Jahr die MEZ angezeigt. Das hält fit im Kopf. Sommers heißt es dann um 11 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit: „Es ist jetzt 11 Uhr, eigentlich erst 10.“ Ich hätte gern die Eigentlich-Zeit. Das ganze Jahr.

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