Die LINKE besuchte streikende Busfahrer

Es ist bitterkalt. Vor dem Busdepot in der Erkneraner Breitscheidstraße stehen Männer um eine Tonne mit brennendem Kaminholz. Sie stehen hier seit 3:30 Uhr, ihrem Schichtbeginn
als Busfahrer. Es ist Warnstreik. Er soll die laufenden Tarifverhandlungen stützen. Von den Arbeitgebern fordern die Busfahrer bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn.

Die Fraktion der LINKEN im Stadtparlament von Erkner solidarisiert sich mit den Kollegen. 45 Minuten frieren sie gemeinsam. Schnell entwickelt sich ein interessantes Gespräch. „Wir kommen manchmal um 4 Uhr morgens zum Depot, fahren den Schülerverkehr, haben dann ein paar Stunden unbezahlte Pause und fahren am Nachmittag weiter. Zwischendurch nach Hause fahren lohnt bei vielen Kollegen nicht. Damit sind sie bis zu 14 Stunden auf Arbeit. Das ist gesundheitsschädlich und familienunfreundlich“, berichtet Herr Turnbacher, Busfahrer aus Erkner. Die Arbeitgeber möchten in der Tarifrunde erreichen, dass diese 14 Stunden jetzt als verpflichtende, planbare Arbeitszeit definiert, die langen Pausen, wie jetzt auch, nicht bezahlt werden. Die unterste Lohngruppe soll wegfallen, damit es mehr Anreize zum Einstieg als Busfahrer gibt, aber für die Kollegen, die schon eingestellt sind, wird es kaum Verbesserungen geben, wenn es nur nach den Arbeitgebern geht. „An meinem Standort hier in Erkner ist das Durchschnittsalter der Kollegen bei 46 Jahren“, sagt Herr Kelch, Standortleiter in Erkner, und macht sich Sorgen um die Zukunft des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).

Von den LINKEN will er wissen, wie sie es mit dieser Form der Daseinsvorsorge halten. Verantwortungsvolle Tätigkeit muss gerecht entlohnt werden, meinen sie. Das wird von den Tarifpartnern verhandelt. Bund, Land und Kreis müssen die Grundlagen für den ÖPNV schaffen. Schnell ist das Gespräch dann auch bei den direkten Problemen in Erkner, die sie mitbestimmen wollen. Die Stadt braucht den ÖPNV für die Einwohner, Pendler und Touristen. Der RE1 und die S-Bahn sind gut. Sie bringen die Menschen nach Erkner. Hier entsteht ein Bruch. Der ÖPNV muss ab hier durch ein Nadelöhr, das kennen alle Einwohner. In den Spitzenzeiten ist die Stadt durch den Individualverkehr dicht. Ein effektiverer ÖPNV, mit bedarfsgerechten Fahrzeiten, Stadtbussen auch in den Abendstunden, RE1-Anschlussbussen nach Grünheide und Hangelsberg könnten vielen Pendlern helfen, ihren PKW stehen zu lassen. Damit könnte der Parkplatz am Bahnhof entlastet werden. „Schwierig ist das Ausfahren von diesem Platz, denn die Sicht ist eingeschränkt. Das wilde Parken behindert uns zusätzlich. Auch der geplante Umbau des P+R-Platzes wird da sicher nicht viel Abhilfe schaffen“, meint die Runde der Fahrer. Wenn alle Bushaltestellen so wären, wie die der BVG in der Berliner Straße, wäre es toll, aber leider sorgt die Stadt nicht für den plangerechten Bau ihrer Haltestellen, wie z.B. vor dem City-Center. „Hier kann man nicht gerade anfahren, dass auch die Oma mit Rollator gut einsteigen kann“, bemängelt ein Kollege. Die Fraktion die LINKE verspricht, sich weiterhin für die effektive Gestaltung des ÖPNV einzusetzen, wünscht den Busfahrern viel Erfolg bei den Tarifverhandlungen und hofft, dass die Kollegen in der nächsten Woche nicht wieder in der Kälte Streikposten stehen müssen.

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