Engpässe bei Personal werden zum Risiko für Firmen in Berlin und Brandenburg

    Die Wirtschaft in der Hauptstadtregion sieht die zunehmenden Fachkräfte-Engpässe als wachsendes Risiko für die Entwicklung vieler Unternehmen. „Nach dem langen Aufschwung der vergangenen Jahre wird es immer schwieriger, passendes Personal zu finden. Wir müssen jetzt alle verfügbaren Potenziale heben, sonst kann es mit der Sonderkonjunktur in Berlin und Brandenburg rasch vorbei sein“, sagte Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, am Mittwoch in Berlin. Hinzu kommen müsse eine investorenfreundlichere Politik. „Wir können es uns nicht leisten, Investoren zu verschrecken. Berlin ist noch immer auf jeden zusätzlichen Arbeitsplatz dringend angewiesen, um den Rückstand gegenüber anderen Regionen aufzuholen.“ 

    Amsinck verwies darauf, dass die Besetzung offener Stellen heute in einigen Berufsfeldern doppelt so lange dauere wie noch 2015. Allein in den hoch produktiven mathematisch-naturwissenschaftlichen Berufen fehlten den Firmen aktuell 23.000 Fachkräfte und Experten. Angesichts von Demografie und Digitalisierung werde sich der Trend verschärfen. „Der Fachkräfte-Mangel ist kein konjunkturelles Problem, sondern ein strukturelles. Dem müssen wir rasch begegnen.“

    Als Reaktion hätten die Betriebe in Berlin und Brandenburg ihr Angebot an Ausbildungsplätzen bereits deutlich ausgeweitet.  Allerdings gelinge es oft nicht, die Stellen zu besetzen. „Vielen jungen Menschen fehlt die Ausbildungsreife. Und in den Schulen stimmt noch immer die Unterrichtsqualität nicht“, bemängelte der Hauptgeschäftsführer. Er begrüßte das geplante Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz der Bundesregierung. Für eine schnelle Umsetzung müssten die Behörden vor Ort besser ausgestattet und miteinander vernetzt werden. „Ohne qualifizierte Arbeitnehmer aus dem Ausland geht es schon lange nicht mehr. Für unsere Unternehmen sind sie in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden.“ 

    Es gelte zudem, mehr Hochschul-Absolventen in Berlin und Brandenburg zu halten und dafür zu werben, dass sie hier ihre Karriere starteten. Dazu müssten die Schnittstellen zwischen Universitäten, Hochschulen und Arbeitswelt, die Career Service Center, gestärkt werden. Die Wirtschaft plädiert dafür, dies als neue Aufgabe in das Berliner Landeshochschulgesetz aufzunehmen, das 2019 novelliert werden soll. Auch von einem Ausbau dualer Studiengänge versprechen sich die Unternehmensverbände mehr fähige Fachkräfte.

    Wenn es weiterhin gelinge, genügend Personal zu finden, könne der Aufschwung weitergehen – wegen einer Reihe von Konjunktur-Risiken allerdings verhaltener als zuletzt. „Wir rechnen für Berlin mit einem Wachstum von um die zwei Prozent in diesem Jahr. Das wäre zum sechsten Mal in Folge über dem Bundesdurchschnitt“, sagte Amsinck. Für Brandenburg hält der Spitzenverband ein Plus von 1,5 Prozent für realistisch. „Noch immer profitiert die Hauptstadtregion von einer Sonderkonjunktur. Die kann aber nur Bestand haben, wenn die Firmen weiterhin genügend Fachkräfte finden“, schränkte der Hauptgeschäftsführer ein. 

    Dies gelte im Besonderen für den bevorstehenden Strukturwandel in der Lausitz. Die Zukunft der Energieregion Lausitz hänge entscheidend von Investitionen in Infrastruktur, Wissenschaft und Wirtschaft ab. Ohne qualifizierte Arbeitskräfte sei das nicht zu schaffen. „Wir brauchen endlich Klarheit für die Wirtschaft und für die Arbeitnehmer, wie es weitergehen soll. Dazu gehören belastbare und langfristige finanzielle Zusagen“, mahnte Amsinck. 

    Die Attraktivität der Hauptstadt als Wirtschaftsstandort hänge auch von ihrem Erscheinungsbild ab. „Die Ansiedlung des Siemens-Innovationscampus hat hervorragend geklappt. Das darf aber kein Einzelfall bleiben. Wir brauchen eine Willkommenskultur für Unternehmen.“ Die Debatte über die Enteignung von Investoren sei keine gute Werbung für die Hauptstadt, erklärte der Hauptgeschäftsführer. „Dadurch entsteht keine einzige dringend benötigte neue Wohnung. Der Senat sollte eine klare Haltung einnehmen, dass neue Investitionen und Jobs absoluten Vorrang haben. Diese Linie sollten alle Mitglieder der Regierung unterstützen.“

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