Brandenburger Obst- Gemüse- & Weinanbauer stehen vor neuen Herausforderungen

Anlässlich der Halbzeitbewertung zu Anbauumfang und Produktion im Brandenburger Gartenbau verweist der Gartenbauverband auf die zunehmende Bedeutung von Risikovorsorge zur Sicherung der Produktion. Neben der coronabedingt verschärften Situation bei der Beschaffung und Beschäftigung von Saisonarbeitskräften war auch der diesjährige Witterungsverlauf mit großen Herausforderungen verbunden.

Obst- und Weinbau
Wiederholt haben die zunächst warmen Frühjahrstemperaturen einen zeitigen Austrieb und eine frühe Blüte im Obst- und Weinbau ausgelöst. Durchschnittlich zwei Wochen eher als in Normaljahren setzte die erste Blüte bei Stein- und Kernobst ein; lokale Spätfröste sorgten dann wiederum für Frostschäden von 20% bis lokal 50% im Obstbau. Damit liegen die Erntemengen zwar deutlich höher als im katastrophalen Vorjahr 2019. Das Absatzpotential für die Hauptstadtversorgung kann damit dennoch nicht ausgeschöpft werden. So liegt in den Kulturgruppen Stein- und Kernobst die Ertragsmenge um 20 bis 25 % unter dem normalen Ertragsniveau. Eine ähnliche Situation zeichnet sich im Beerenobstanbau ab. Auch hier sorgten Spätfröste und vor allem Erdbeeren der anfängliche Mangel an verfügbaren Saisonarbeitskräften zur kulturweise Ertragsausfällen in unterschiedlichen Dimensionen. Bei Erdbeeren wurden ca. 2.000 t Erdbeeren geerntet, wobei sich der Schwerpunkt zunehmend auf den geschützten Anbau verlagert. Hier konnten die Erträge um 15 bis 20% gesteigert werden, während im Freilandanbau die Erträge i. H. v. 60 dt wiederum um 2% unter denen des Vorjahres lagen. Die Rekorderträge des Jahres 2018 werden im Strauchbeerenobst auch in 2020 nicht erreicht werden. Auch hier haben Spätfröste zahlreiche Ertragsausfälle, vor allem bei Aronia und bei Johannisbeeren bewirkt. Hinzu gesellt sich wie auch im Kirschanbau die Ausbreitung der Kirschessigfliege als ein neues Problem für den Brandenburger Obstbau. Betroffen sind neben Kirschen auch Heidelbeeren, Aronia und Sanddorn. Bedingt durch den milden Winter und einen günstigen Witterungsverlauf hat der aktuell nicht bekämpfbare Problemschädling schon jetzt zu massiven Ernteausfällen beigetragen.

Auf einer Anbaufläche von 32 ha läuft derzeit die Brandenburger Weinlese. Spätfröste haben auch im Weinbau Blütenschäden bei einzelnen Sorten verursacht, so daß die Gesamterntemenge eher unterdurchschnittlich sein wird. Derzeit beginnt die Weinlese und die ersten Qualitätsprüfungen zeigen schon jetzt gute bis sehr Oechslegrade, die eine guten Weinqualität erwarten lassen.

Gemüsebau
Im Spargelanbau als die in Brandenburg vorherrschende Frischgemüsekultur blieben die Ertragsmengen ebenso deutlich unter denen des Vorjahres. Dies ist jedoch vorrangig auf fehlende Absatzmöglichkeiten in der Gastronomie zurückzuführen, die gerade für den Spargelanbau von großer Bedeutung ist. Daher wurden bis zu 20% der Spargelanbauflächen aus der Beerntung herausgenommen.

Die aktuell laufende Ernte von Einlege- und Schälgurken im Spreewald lässt derzeit die Erfüllung der vertraglich vereinbarten Produktionsmengen erkennen. Entgegen der ursprünglichen Befürchtung konsolidiert sich die Erntemenge bei etwa 30.000 t; Produzenten und Verarbeiter sind aufgrund der fortlaufenden Mindestlohnsteigerungen von einem ursprünglich stärkeren Rückgang der benötigten Mengen ausgegangen. Die dritte Hauptkultur im Brandenburger Gemüse sind Möhren, Karotten und Rote Bete, deren Anbaumengen sich bei etwa 27.000 t bewegen.  Für alle Kulturgruppen gilt übergreifend, dass zwingend gemeinsam mit der Politik Lösungen zur Risikovorsorge geschaffen werden müssen. Die seit Jahren vom Gartenbau eingeforderte Mehrgefahrenversicherung scheint auch in dieser Legislaturperiode der Bundesregierung nicht zur Umsetzung zu gelangen. Da alle gärtnerischen Kulturen in Brandenburg aufgrund der fehlenden Niederschlagsmengen zwingend bewässerungsbedürftig sind, mahnt der Verband auch hier eine abgestimmte Vorgehensweise bei der Priorisierung des Wassereinsatzes und dem Ausbau von Speichermöglichkeiten an. Letztere sind nicht nur für die trockenen Sommermonate wichtig, sondern auch als Reservoir zur Frostschutzberegnung im Frühjahr. Die klimatischen Veränderungen lassen neben der Kirschessigfliege die Ausbreitung weiterer invasiver Arten befürchten, für die es derzeit keine Bekämpfungsmöglichkeiten gibt. Kulturtechnische Veränderungen, wie die Einnetzung der Anlagen, wie auch das Versuchswesen und die Beratung können dabei Lösungsbausteine sein.

Darüber hinaus ist unverändert auch der Lebensmitteleinzelhandel gefragt. Der unverändert ruinöse Wettbewerb mit Importerzeugnissen aus aller Welt gefährdet den regionalen Anbau. Die Coronakrise unterstreicht den eigentlichen Stellenwert kurzer und funktionierender Lieferketten.
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